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Chalzedon


„Der erste Römer, der nach Demostratus einen Sardonyx [eine Varietät des Chalzedons] trug, war Africanus der Ältere, und seit jener Zeit wurde diesem Stein in Rom ein sehr hoher Wert beigemessen.“

Plinius der Ältere (23 – 79 n. Chr.), Historia Naturalis


Geschichte des Chalzedons

Der Chalzedon war ein im Altertum sehr geschätzter Edelstein, der in der Kultur Mesopotamiens (heutiger Irak), Ägyptens und Griechenlands eine bedeutende Rolle spielte und vor allem bei den Römern sehr beliebt war, die Chalzedone als magische Amulette, Siegel, Petschafte (Stempel), Gemmen (reliefartig aus Edelsteinen herausgeschnittene Bilder) und Intaglien (vertieft in Edelsteine eingeschnittene Bilder) verwendeten und sie in Ringe, Broschen, Armreifen, Fibeln (verzierte Gewandspangen) und Halsketten fassten.


In der jüdischen, christlichen, islamischen und buddhistischen Religion ist Chalzedon ein beliebter Stein, beispielsweise werden Buddhafiguren aus ihm hergestellt.


In der Bibel findet der Chalzedon als einer der zwölf Steine Erwähnung, die Moses auf dem Berg Gottes (Berg Sinai) überreicht wurden. Moses befolgte die Anweisung Gottes (2. Moses 28, 15-30) und setzte sie in das Brustschild Aarons (des ersten Hohepriesters und Bruders Moses) ein. Diese Steine entsprechen den zwölf Söhnen Jakobs und den von ihnen abgeleiteten zwölf Stämmen Israels. Im neuen Testament wird in der Offenbarung des Johannes (21, 19-21) eine weitere Gruppe von zwölf Edelsteinen (darunter vier Chalzedone) erwähnt, die die Grundsteine der Stadtmauer des Himmlischen Jerusalems schmücken. Diese Edelsteine werden in der Bibel direkt mit den Aposteln in Verbindung gebracht (Offenbarung 21, 14). Gemäß der Zusammenstellung von Andreas, Bischof von Caesarea und einer der frühesten Schreiber, die im 10. Jh. die Apostel symbolisch mit den zwölf Edelsteinen von Jerusalem verband, repräsentiert der Chalzedon den Apostel Andreas.


Die Beliebtheit des Chalzedons endete aber keineswegs mit der Antike, sondern reichte bis ins Mittelalter und die Renaissance. Bis heute werden Chalzedone von Edelsteinschleifern, Juwelieren und Sammlern als Edelsteine, aber auch als kunsthandwerklich zu bearbeitendes Material geschätzt.


Chalzedon Rohkristall

Name

Der Name Chalzedon geht auf Chalcedon oder Calchedon zurück, einen antiken Hafen in Bithynien, in der Nähe des heutigen Istanbul in der Türkei.


Der Name Chalzedon geht auf Chalcedon oder Calchedon (auch Chalkedon) zurück, einen antiken Hafen in Bithynien (bis 74 v. Chr. ein selbständiges Königreich, danach römische Provinz), in der Nähe Istanbuls in der Türkei.


Die Bezeichnung „Chalzedon“ umfasst alle Varietäten der kryptokristallinen, d.h. kleinkristalligen Quarze. Gleichzeitig fällt eine Untergruppe dieser Familie unter diesen Begriff und vereint nur Steine einheitlicher, bläulicher bis grau-weißer Färbung.


Die mehrfarbigen Varietäten werden unter dem Oberbegriff „Achat“ zusammengefasst.


Chemische Zusammensetzung des Chalzedons

Der Chalzedon gehört zur selben Familie wie die Achate. Es handelt sich um kryptokristallinen Quarz, genau genommen um ein Siliziumdioxid-Mineral, das sich aus Quarz und Moganit zusammensetzt. Seine chemische Zusammensetzung wird unter SiO2 für alle Erscheinungsformen von feinkristallinem Quarz zusammengefasst.


Herkunft des Chalzedons

Der Blaue Chalzedon aus der Türkei, der durch eine wunderschöne Transparenz hervorsticht, wird ohne Unterbrechung seit der Antike abgebaut und ist auch heute noch sehr gefragt. Weitere Vorkommen befinden sich in Brasilien, den USA (Kalifornien), Indien, Madagaskar, Malawi, Namibia, Sri Lanka und Simbabwe.


Das wichtigste Kriterium für einen Chalzedon ist seine Farbe. Die Farbe des eigentlichen Edelsteins reicht von blau bis milchig grau. Exemplare mit einer gleichmäßigen Farbverteilung, intensiven Farbtönen und einer höheren Transparenz werden als wertvoller betrachtet. In der Regel sind Chalzedone als Cabochons geschliffen und werden häufig für Schnitzereien, Gemmen und Intaglien verwendet. Cabochons lassen sich sehr einfach bewerten: man achte auf ihre Politur, ihre Form und ihre Proportionen. Bei Schnitzereien, Gemmen und Intaglien entscheidet selbstverständlich der persönliche Geschmack, doch allgemein lässt sich sagen, dass es hier auf die Feinheit der Details und die Verteilung der Farben ankommt.